Wohnungslose

Euer Leben auf der Straße ist zu hart,
besonders im Winter bei Minusgraden.
Warum bleibt euch das nicht erspart,
warum müssen Menschen sowas ertragen?

Hier ein Geschäft mit Luxusartikeln,
davor im Schlafsack ein Wohnungsloser,
zum Leben viel zu wenig Mittel,
fiel schon vor langem ins Bodenlose.

Alkohol als Lösungsmittel
macht von innen warm und frei,
wenn’s dich mal wieder richtig schüttelt,
die Sorgen sind zeitweise einerlei.

Der Teufel hat den Schnaps gemacht.
Wohin in der Not mit seinen Sorgen?
Der Frust war in der Übermacht.
Heute noch trinken, aufhören morgen.

Solange alles rundläuft und klappt,
hast du Freunde und Zeitvertreib.
Doch jetzt sind alle Ressourcen knapp,
was nun bleibt, ist die Einsamkeit.

Ich wünsche uns eine neue Gesellschaft,
eine, die Raum lässt für Menschlichkeit,
Akzeptanz, Toleranz, gemeinsame Kraft,
Umverteilung und Ehrlichkeit.

Wir müssen uns zuhören und uns helfen,
aufhören, nur dem Geld nachzujagen
und wir müssen endlich begreifen,
warum so viele an Sucht verzagen.

Wo ist das Verständnis für and’re geblieben,
warum schau’n wir immerzu alle weg?
Ständig von innerer Unruh’getrieben,
zu groß die Angst, selber zu landen im Dreck.

Sabine Meuler, April 2014