Am Kölner Bahnhof

Stehe jetzt wieder am Bahnsteig und warte,
einige Münzen bei meiner Fahrkarte.
Kommen sicher wieder viele,
die mich bitten um Mitgefühle.

Der Süßautomat will die Münze nicht,
fällt immer durch, ärger Dich nicht.
Habe so viele Luxusprobleme:
Schokolade, Kekse oder Eiscreme…
Alles Quatsch und ungesund,
viel zu viel Zucker in meinem Mund.

Wer denkt an die am Gesellschaftsrand?
Auch mir ist die Zukunft unbekannt.
Weiß nicht, wo ich irgendwann stehe.
Es gibt keine Garantie fürs Leben.

Immer wieder berührt es mich,
wenn einer fragt „Hast’n Euro für mich?“
Niemand darf urteilen über die Gründe.
Weiß ich denn, wie es um meinen Stolz stünde?
Keine Ahnung, wie es dazu kam,
zu viele Menschen sind hier arm.

Bild dir nichts ein auf deine Spende.
Lebst im Überfluss ohne Ende.
Weißt du, was es heißt, einsam zu sein,
unbeliebt, ausgestoßen und kein Daheim…

Jeder sagt so schnell dahin:
„Schau, wo Du bleibst,
ich muss zum Termin“.

Überall Schnorrer und Flaschensammler,
früher sagte man dazu Gammler.
Hartz IV oder Aufstocker, alle sind doch
selbst daran schuld, fielen deshalb ins Loch.
Weil sie zu menschlich sind,
statt zu funktionieren.
Unmöglich, alle zu therapieren.
Kostet doch alles viel zu viel Geld,
Leistung muss sein in dieser Welt.

Luxus, Prestige und Image ist wichtig,
Mitgefühl zählt nicht. Ist doch so richtig?
Wir sind doch alle so versaut
von Dogmen, Medien. Keiner durchschaut,
wie wir von oben manipuliert werden.
Immer schön drauf auf die Armen, die werden
sich schwerlich dagegen wehren können.
Doch du malochst ja, darfst dir was gönnen.

Ist das wirklich so oder nicht?
Prüf deinen Spiegelanblick, dein Gesicht.
Höre hinein in dein Herz, das spricht:
Vorsichtig Mensch, urteile nicht.
Das darf nur einer, der liebe Gott.
Will, dass er in meinem Herzen wohnt.

Bewahre dir immer dein Mitgefühl.

Sabine Meuler, April 2014